"In Mitteleuropa setzte sich relativ rasch ein stillschweigender Konsens durch: Der Staat sollte künftig Regeln setzen, nicht selbst wirtschaftlicher Akteur bleiben. Privatisierungen verliefen keineswegs reibungslos, doch sie waren politisch unumkehrbar. Verwaltung, Politik und Wirtschaft wurden klarer voneinander getrennt, auch wenn diese Trennung in der Praxis unvollkommen blieb. Entscheidend war weniger die Perfektion als die Richtung.
Rumänien hingegen hielt länger an einer hybriden Rolle des Staates fest. Er blieb Unternehmer, Regulator und Kontrolleur zugleich. Diese Vermischung erzeugte keine Stabilität, sondern dauerhafte Interessenkonflikte, die sich tief in den Verwaltungsapparat einschrieben und bis heute nachwirken.
Ein weiterer Unterschied zeigte sich im Umgang mit Bürokratie. In Mitteleuropa wurde früh erkannt, dass Reformen nicht mit neuen Programmen beginnen, sondern mit dem Abbau bestehender Strukturen. Genehmigungsverfahren wurden verkürzt oder abgeschafft, Zuständigkeiten zusammengelegt, Fristen eingeführt. Verwaltung sollte funktionieren, nicht imponieren. In Rumänien hingegen wurde Reform häufig additiv verstanden: neue Gesetze, neue Kontrollen, neue Behörden – während alte Strukturen bestehen blieben."
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